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Köln klimaneutral 2035: Ziel, Plan und was es für Sie bedeutet

Redaktion klimabildung-koeln.de · veröffentlicht am 08.11.2026

Köln will bis 2035 klimaneutral werden. Das hat der Rat der Stadt am 24. Juni 2021 beschlossen. Dafür müssen die Emissionen von 9,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten im Jahr 2019 auf unter eine Million Tonnen pro Jahr sinken – vor allem durch neue Wärme, sauberen Strom und weniger Autoverkehr.

📋 Kurz zusammengefasst

Das Ziel „Köln klimaneutral 2035“ gilt für die ganze Stadt, nicht nur für die Verwaltung. Laut Stadt Köln lagen die Emissionen 2019 nach vorläufiger Bilanz bei 9,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten; klimaneutral heißt unter einer Million Tonnen pro Jahr. Ein städtisches Gutachten hält das Ziel für erreichbar, der Rat hat es im Dezember 2022 als Handlungsrahmen anerkannt. Am 12. Mai 2026 folgte die erste Kommunale Wärmeplanung. Heute heizen laut Stadt noch rund 85 % der Gebäude mit fossilen Energien.

Was genau hat Köln beschlossen?

Der Rat der Stadt Köln hat am 24. Juni 2021 beschlossen, dass die Gesamtstadt bis 2035 klimaneutral werden soll. Der Beschluss knüpft an die Ausrufung des Klimanotstands 2019 und den Beitritt zum Klima-Bündnis 1993 an.

„Gesamtstadt“ bedeutet: Das Ziel umfasst Haushalte, Unternehmen, Verkehr und Energieversorgung auf Kölner Stadtgebiet, nicht nur Gebäude und Fahrzeuge der Verwaltung. Damit liegt Köln zehn Jahre vor dem Bundesziel. Das deutsche Klimaschutzgesetz sieht Treibhausgasneutralität erst für 2045 vor.

Ein eigener Klimarat begleitet die Kölner Klimapolitik seit April 2020 und hat sich dem Ziel ebenfalls angeschlossen.

Wie groß ist die Aufgabe?

Die Aufgabe ist groß: Laut Stadt Köln verursachte die Stadt 2019 nach vorläufiger Bilanz 9,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Klimaneutral heißt weniger als eine Million Tonnen pro Jahr – also eine Minderung um rund 90 %.

Das städtische Gutachten „Köln klimaneutral 2035“ hält das für machbar, verlangt aber erhebliche Anstrengungen aller Akteure. Der Endenergiebedarf muss je nach Sektor um 26 bis 47 % sinken, und die Wärmeversorgung muss vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

Das Gutachten ordnet das Minderungspotenzial Handlungsfeldern zu. Die größten Anteile entfallen laut Stadt Köln auf:

  • Energieversorgung: 38 %
  • Mobilität: 23 %
  • Wirtschaft: 13 %
  • Gebäude: 11 %
  • Lebensstil und Bildung: 5 %
Grafik: Köln von 9,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten im Jahr 2019 auf unter 1 Million Tonnen pro Jahr 2035; Minderungspotenzial Energieversorgung 38 %, Mobilität 23 %, Wirtschaft 13 %, Gebäude 11 %, Lebensstil und Bildung 5 %
Köln klimaneutral 2035: Ausgangswert, Ziel und Minderungspotenzial je Handlungsfeld. Quelle: Stadt Köln.
💡 Gut zu wissen

Die 5 % für „Lebensstil und Bildung“ wirken klein, täuschen aber. Ob Kölnerinnen und Kölner eine Wärmepumpe einbauen, auf das Rad umsteigen oder einem Wärmenetz-Anschluss zustimmen, entscheidet mit darüber, ob die großen Blöcke Energie, Gebäude und Mobilität überhaupt erreicht werden. Bildung ist hier weniger ein eigener Sektor als die Voraussetzung für alle anderen.

Was bedeutet die Kommunale Wärmeplanung für Kölner Haushalte?

Die Kommunale Wärmeplanung, die der Rat am 12. Mai 2026 beschlossen hat, zeigt, welche Kölner Gebiete künftig eher über Wärmenetze und welche eher dezentral, etwa mit Wärmepumpen, beheizt werden sollen. Eine direkte Pflicht für Eigentümer entsteht daraus laut Stadt nicht.

Die Ausgangslage: Laut Stadt Köln nutzen derzeit etwa 85 % der Gebäude fossile Energien, vor allem Erdgas. Mehr als die Hälfte dieser Heizungen ist älter als 20 Jahre. Die Stadt erwartet deshalb, dass in den nächsten zehn Jahren viele Eigentümerinnen und Eigentümer ihre Heizung tauschen.

Dicht bebaute Gebiete wie die Innenstadt eignen sich langfristig eher für Fern- oder Nahwärme, andere Gebiete eher für Wärmepumpen. Welche Einordnung für Ihr Quartier gilt, zeigt die Karte im veröffentlichten Bericht der Stadt Köln. Die Wärmeplanung wird alle fünf Jahre fortgeschrieben.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Bevor Sie eine Heizung austauschen, prüfen Sie die Einordnung Ihres Quartiers in der Kommunalen Wärmeplanung und die aktuelle Fassung des Gebäudeenergiegesetzes. Eine kostenlose, unabhängige Beratung bietet laut Stadt Köln das Kölner Energiemobil der Verbraucherzentrale NRW an – für Eigentümer, Wohnungseigentümergemeinschaften und Mieter.

Welche Rolle spielt der Verkehr?

Der Verkehr trägt laut Gutachten 23 % zum Minderungspotenzial bei. Köln hat dabei Fortschritte gemacht: Laut Mobilitätserhebung 2022 sank der Anteil der Autowege von 35 % im Jahr 2017 auf 25 %, der Radanteil stieg auf 25 %.

Mehr als 11.000 Kölnerinnen und Kölner haben für die Erhebung im Herbst 2022 über 36.000 Wege protokolliert. Ein Drittel aller Wege wird zu Fuß zurückgelegt, 17 % mit Bus und Bahn. Wie viel CO₂ welcher Weg verursacht, zeigt unser Ratgeber zu klimafreundlicher Mobilität in Köln und der CO₂-Wegerechner.

Wie bereitet sich Köln auf Hitze und Starkregen vor?

Neben dem Klimaschutz braucht Köln Klimaanpassung: Schutz vor Hitzeinseln in dicht bebauten Vierteln, Vorsorge gegen Starkregen und Stadtbäume, die Trockenheit überstehen.

Klimaschutz senkt die Ursachen, Anpassung begrenzt die Schäden. Beides hängt zusammen: Begrünte Dächer, entsiegelte Höfe und mehr Bäume kühlen die Stadt und halten Regenwasser zurück. Das Prinzip dahinter heißt Schwammstadt. Seit 2024 verpflichtet das Bundes-Klimaanpassungsgesetz Länder und Kommunen zu eigenen Anpassungsstrategien.

Wie kann ich den Fortschritt verfolgen?

Den Fortschritt zeigt die digitale Monitoring-Plattform der Stadt Köln, die die Energie- und Treibhausgasbilanz öffentlich darstellt. Grundlage der Maßnahmen ist der Aktionsplan Klimaschutz.

Der Aktionsplan baut auf dem Gutachten auf und sammelt laufende und geplante Vorhaben der Stadtverwaltung und der städtischen Unternehmen. Wer sich selbst einbringen möchte, findet Wege im Thema Mitmachen.

💬 Einschätzung der Redaktion

Neun von zehn Tonnen bis 2035 einzusparen ist eine der ehrgeizigsten Vorgaben einer deutschen Großstadt. Ob sie gelingt, entscheidet sich weniger in Ratsbeschlüssen als in Heizungskellern: Bei 85 % fossil beheizten Gebäuden und vielen alten Anlagen ist die Wärmeplanung das wichtigste Dokument der nächsten Jahre. Wer ein Haus besitzt oder verwaltet, kennt sie am besten, bevor die alte Heizung ausfällt.

✓ Das Wichtigste in Kürze

  • Ziel: klimaneutral bis 2035, Ratsbeschluss vom 24. Juni 2021.
  • Ausgangswert: 9,5 Mio. t CO₂e (2019), Ziel unter 1 Mio. t pro Jahr.
  • Größte Hebel laut Gutachten: Energieversorgung 38 %, Mobilität 23 %.
  • Wärmeplanung beschlossen am 12. Mai 2026; 85 % der Gebäude heizen noch fossil.
  • Autoanteil an allen Wegen: von 35 % (2017) auf 25 % (2022) gesunken.

Häufige Fragen

Wann hat Köln das Ziel Klimaneutralität 2035 beschlossen?

Der Rat der Stadt Köln hat am 24. Juni 2021 beschlossen, dass die Gesamtstadt bis 2035 klimaneutral werden soll. Bereits 2019 hatte die Stadt den Klimanotstand ausgerufen.

Muss ich wegen der Wärmeplanung meine Heizung tauschen?

Nein. Die am 12. Mai 2026 beschlossene Kommunale Wärmeplanung ist laut Stadt eine Orientierungshilfe und begründet keine direkte Pflicht für Eigentümer. Sie zeigt, ob ein Gebiet eher für ein Wärmenetz oder für Wärmepumpen geeignet ist.

Ist Klimaneutralität bis 2035 überhaupt erreichbar?

Das städtische Gutachten hält das Ziel für erreichbar, wenn alle Akteure erhebliche Anstrengungen unternehmen. Der Rat hat das Gutachten im Dezember 2022 als Handlungsrahmen anerkannt.

Wo sehe ich, wie weit Köln ist?

Die Stadt Köln betreibt eine digitale Monitoring-Plattform, die die Energie- und Treibhausgasbilanz öffentlich darstellt.

Quellen

Begriffe zum Thema

KlimafolgenStädtische HitzeinselSchwammstadtDachbegrünungEntsiegelungEnergiewende